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Full text of "Das Ophthalmophantom : und der Augenspiegel als optometer"

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DER  AUGENSPIEGEL  ALS  OPTOMETER. 

VON 

DR  FRANZ  MOHR, 

KÖNIGL.   BAYER.   BATAILLONSARZT. 


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WÜRZBURG  1870. 

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UND 


DER  AUGENSPIEGEL  ALS  OPTOMETER. 


VON. 


Ds  FRANZ  MOHR, 

KÖNIGL.   BAYER.    BATAILLONSARZT. 


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WÜRZBÜRG  1870. 

DRUCK  DER  STAHEL'SCHEN  BUCHDRUCKEREI. 


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In  Nachstehendem  übergebe  ich  den  Herrn  Collegen 
die  Beschreibung  eines  von  mir  erfundenen  Apparats  „Zur 
Erlernung  der  Ophtkalmoscopie  und  zur  TJebung  im  Gebrauche 
des  Augenspiegels  als  Optometer  u  nebst  einer  kurzen  Be- 
schreibung der  ßefractionsanomalien  der  Augen  und  des 
zu  ihrer  objektiven  Bestimmung  einzuhaltenden  Verfahrens, 
wie  solches  seit  einigen  Jahren  im  hiesigen  Militärkranken- 
hause mit  bestem  Erfolge  geübt  wird. 

Wie  schwierig  die  Handhabung  des  Augenspiegels,  das 
Auffinden  und  Festhalten  der  richtigen  Beleuchtung  des 
Augenhintergrundes,  das  Ausserachtlassen  des  störenden 
Hornhautreflexes  u.  s.  w.  anfangs  dem  Lernenden  wird, 
wie  wenig  ermunternd  die  vielfachen  vergeblichen  Unter- 
suchungsversuche für  denselben,  wie  peinlich  sie  für  den 
Untersuchten  sind,  wie  selten  und  schwierig  passende  Fälle 
sich  finden  lassen,  weiss  gewiss  Jeder,  der  diese  Schule 
durchzumachen  hatte. 

Um  so  sicherer  hoffe  ich,  dass  der  neue  Apparat,  wel- 
cher diesen  bisher  so  beschwerlichen  Weg  ebnet  und  mit 
Leichtigkeit  zur  Erlernung  einer  der  schönsten  und  lohnend- 
sten medicinischen  Kunstfertigkeiten  führt,  nicht  unbeachtet 
wird  gelassen  werden. 


Eine  möglichst  kurze  Darstellung  der  vereinfachten 
Methode,  „mit  Hilfe  des  Augenspiegels  Refractionsbestimm- 
ungen  der  Augen  vorzunehmen,"  habe  ich  angefügt,  da  ich 
die  Gelegenheit  nicht  ungenützt  vergehen  lassen  wollte, 
dieser  bis  jetzt  leider  so  wenig  beachteten  Verwendung 
des  Ophthalmoscops  auch  in  weiteren  Kreisen  neue  Freunde 
zu  gewinnen. 

Würzburg,  1870. 


Dr.  Mohr, 


Eine  der  glänzendsten  Errungenschaften  der  Neuzeit  im  Gebiete 
der  physikalischen  Untersuchungstechnik  ist  unstreitig  das  Ophthal- 
moscop,  welches  in  der  Augenheilkunde,  man  kann  sagen ,  eine  neue 
Aera  begründete,  indem  es  nicht  allein  für  die  Diagnose  und  Therapie 
bei  Erkrankungen  tieferer  Augengebilde  von  entscheidendem  Einflüsse 
ist,  sondern  auch  für  eine  genaue  Ergründung  der  Refractionszustände 
und  zur  Aufdeckung  der  mit  ihrem  Abweichen  von  der  Norm  ver- 
bundenen Sehstörungen  eine  ganz  besondere  Wichtigkeit  hat. 

Allein  trotz  aller  dieser  Vorzüge  konnte  dieses  herrliche  Instru- 
ment nicht  Gemeingut  der  Aerzte,  nicht  einmal  der  jüngeren  Gene- 
ration derselben  werden,  und  forschen  wir  den  Ursachen  nach,  worin 
diese  auffallende  Thatsache  ihre  Begründung  findet,  so  erkennen  wir 
als  die  hauptsächlichste  wohl  die  Schwierigkeiten,  welche  bei  den 
ersten  Anfängen  von  Jedem  zu  überwinden  sind;  welche  Schwierig- 
keiten oft  alle  Lust  zur  Fortsetzung  der  Uebung  benehmen,  wenn 
sie  gross  genug  erscheinen,  um  als  unübersteiglich  zu  imponiren. 

Allerdings    müssen     verschiedene    Umstände    günstig    zusammen- 
treffen, um  den  Neuling  zu  einem    erspriesslichen  Resultate    gelangen 
zu  lassen,  unter  denen  die  bemerkenswerthesten : 
Ausdauer  von  Seite  des  Lernenden, 

Erfahrung  und  Unverdrossenheit  von  Seite  des  Lehrenden, 
Zahlreiches  und  leicht  zur  Verfügung  stehendes  Material ;  für 
gewöhnlich  Personen,    die    sich  nicht    allein  willig    unter- 
suchen, sondern  auch,    wenn  nöthig,    zur  Erweiterung  der 
Pupille  und  Lähmung  der  Accomodationsthätigkeit  für  einige 
Zeit,  mit  Atropin  behandeln  lassen. 
Wie   selten    diese  Erfordernisse   vorhanden    sind ,    haben    gewiss 
schon  Viele  zu  ihrem  Leidwesen  erfahren  und  wer  erinnert  sich  nicht 
selbst  der    anfangs    mit    seinen    ophthalmoscopischen    Studien    verbun- 
denen Mühen,  die  dem  Geübten  später  unbegreiflich   erscheinen  wür- 
den,   wenn  die  tägliche  Erfahrung  ihn    nicht  lehrte,    dass    es   jedem 
Anfänger  nicht  besser  ergeht. 


_      6      - 

Wegen  dieser  Schwierigkeiten  geschieht  es  auch,  dass  die  Meisten 
mit  der  Auffindung  des  reellen,  umgekehrten,  Bildes  sich  zufrieden 
geben ,  ja  sogar  mit  undeutlichen ,  durch  sphärische  Aberration  ver- 
zerrten Bildern  sich  begnügen  und  nicht  die  nöthige  Ausdauer  be- 
sitzen, den  Mühseligkeiten  bei  der  Aufsuchung  des  virtuellen,  auf- 
rechten, Bildes  sich  zu  unterziehen,  welche  durch  schwierigere  Auf- 
rechthaltung der  Beleuchtung  und  durch  die  Notwendigkeit  veran- 
lasst werden,  bei  dieser  Art  der  Untersuchung  auch  die  Refractions- 
verhältnisse  der  Augen  berücksichtigen  zu  müssen.  Und  doch  ist 
diese  letztere  Art  der  Untersuchung  wegen  der  durch  beträchtlichere 
Vergrösserung  *)  gewonnenen  Deutlichkeit  und  der  durch  Ausschluss 
sphärischer  Aberration  erzielten  Genauigkeit  der  Bilder  die  bei  weitem 
wichtigere,  namentlich  zu  Detailuntersuchungen,  und  unentbehrlich, 
wenn  es  sich  darum  handelt,  mit  dem  Ophthalmoscope  Refractions- 
bestimmungen  vorzunehmen,  die  bei  gehöriger  Uebung  des  Unter- 
suchers vollkommen  exakt  und  verlässig  sind. 

Wie  ausserordentlich  wichtige  und  bei  richtiger  Vornahme  un- 
trügliche Dienste  der  Augenspiegel  in  dieser  Verwendung  leistet,  geht 
am  einfachsten  daraus  hervor,  dass  der  Beobachter  bei  dieser  Unter- 
suchung ganz  selbständig,  von  den  Aussagen  und  Angaben  des  Un- 
tersuchten ganz  unabhängig  bleibt,  indem  der  Beobachter  gleichsam 
mit  dem  Auge  des  Untersuchten,  wenigstens  mittelst  der  lichtbrechen- 
den Theile  dieses  Organs  sieht  und  ausserdem  etwa  vorhandene  Trüb- 
ungen der  durchsichtigen  Medien  oder  Anomalien  der  tieferen  Augen- 
gebilde sogleich  wahrzunehmen  im  Stande  ist. 

Nicht  allein  das  wissenschaftliche  Interesse,  sondern  auch  die 
grossen  Vortheile,  welche  aus  dieser  Untersuchungsmethode**)  er- 
wachsen, fordern  daher  zu  ihrer  Cultivirung  auf,  da  auf  diesem  Wege 
Krankheitsursachen  und  Sehstörungen  leicht  erkannt  werden  können, 
die  ausserdem  verborgen  bleiben  oder  nur  auf  umständlichere  Weise 
zu  eruiren  sind. 


*)  Während  die  Vergrösserung  bei  Anwendung  von  Linse  -\-2"  zur  Erzeugung 
des  umgekehrten  Bildes  zwischen  einer  3-  und  9fachen  schwankt,  ist  sie  im  auf- 
rechten Bilde  eine  9-  bis  21fache,  je  nach  den  verschiedenen  Refractionszuständen 
und  den  angewendeten  Correktionsgläsern. 

**)  Meine  praktischen  Erfahrungen  haben  mir  für  Lehrende  wie  Lernende  einen 
grossen  Vortheil  darin  erkennen  lassen,  dass  nicht  allein,  wie  es  gewöhnlich  im 
Anfange  der  ophthalmoscopischen  Uebungen  (namentlich  im  virtuellen  Bilde)  ge- 
schieht, das  zur  Untersuchung  bestimmte  Individuum  mit  Atropin  behandelt  wird, 
sondern  dass  auch  der  Beobachter  durch  Einträuflung  einer  schwachen  Atropinlösung 
seine  eigene  Accomodationsthätigkeit  beschränkt. 


—      7      — 

Namentlich  aber  ist  für  Militärärzte  eine  solche  Bestimmung  der 
Leistungsfähigkeit  der  Augen,  die  auf  ganz  objektiver  Basis  beruht, 
oft  ein  dringendes  Bedürfniss,  dem  auf  keine  andere  Weise  Genüge 
gethan  werden  kann,  da  das  umgekehrte  Bild  —  höchste  Grade  von 
Myopie  ausgenommen  —  zur  Bestimmung  der  Refraction ,  wenn  es 
sich  um  einigermassen  Genauigkeit  handelt,    nicht   zu    verwenden  ist. 

Bekanntlich  erkannte  schon  Helmholtz,  der  Erfinder  des  Augen- 
spiegels, 1851  die  Möglichkeit,  mit  Hilfe  dieses  Instruments  von  dem 
Refractionszustande  des  beobachteten  Auges  sich  zu  überzeugen  und 
heute  noch  ist  die  von  ihm  angegebene  Methode  durch  keine  bessere 
verdrängt  worden;  später  1856  setzte  Eduard  v.  Jäger  die  Verhält- 
nisse, welche  für  diesen  Zweck  in  Betracht  zu  kommen  haben,  näher 
auseinander  und  in  der  neuesten  Zeit  haben  namentlich  Mauthner*)  und 
Donders  die  Aufmerksamkeit  der  Aerzte  dieser  Untersuchungsmethode 
zugewendet.  Besonders  war  es  der  letztgenannte  Forscher,  der  durch 
seine  wichtigen  Arbeiten  über  die  Refraction  und  Accomodation  der 
Augen  zugleich  die  Mittel  zur  Erkenntniss  ihrer  Anomalien  genau 
bestimmte,  so  dass  seine  Lehre  die  fruchtbarste  Anwendung  in  der 
Augenheilkunde  gefunden  nicht  allein  für  die  Verbesserung  der 
Sebstörungen  durch  Brillen ,  sondern  auch  durch  Aufklärung 
früher  dunkler  Krankheitszustände  und  dadurch  ermöglichte  Heilung 
derselben. 

Für  Ophthalmoscopiker,  welche  in  der  Untersuchung  im  aufrech- 
ten Bilde  gewandt  sind,  hat  die  Methode  der  Refractionsbestimmung 
mittelst  des  Augenspiegels  keine  besonderen  Schwierigkeiten ,  da  die 
Verhältnisse,  welche  hiebei  zu  berücksichtigen  sind,  ihnen  schon  be- 
kannt sein  müssen.  Dieselben  sind  übrigens  einfach,  denn  die  Art 
und  Weise,  wie  es  in  jedem  speziellen  Falle  ermöglicht  wird,  ein  voll- 
kommen deutliches  und  scharfes  (virtuelles)  Bild  des  Augenhinter- 
grundes zu  erhalten,  die  zur  Veränderung  des  Ganges  der  Lichtstrah- 
len für  den  Untersucher  benöthigten  Corrections-  und  gegebenen  Falls 
Neutralisations-Gläser  liefern  die  Anhaltspunkte  zur  Bestimmung  des 
dioptrischen  Werthes  der  Refraction  des  untersuchten  Auges. 

Daher  ist  es 

1)  noth wendig,  sich  eine  klare  Vorstellung  der  verschiedenen 
Refractionszustande  der  Augen  zu  machen. 

Unter  Refractionszustand  versteht  man  das  Verhalten  des  Auges 
in  Bezug  auf  Brechung  und  Vereinigungsweite  von  Lichtstrahlen,  die 
es  vermöge  seines  Baues  und  der  anatomischen  Anordnung  seiner  ein- 
zelnen Theile  unabhängig  von  Accomodationswirkung  ausübt. 

*)  Lehrbuch  der  Ophthalmoscopie  von  Ludwig  Mauthner.     Wien  1868. 


-      8     — 

Da  man  für  jedes  centrirte  System  brechender  Kugelflächen  ein 
System  von  nur  zwei  solchen  Flächen  substituiren  kann ,  welches 
ebenso  grosse  und  ebenso  gelegene  Bilder  entwirft  wie  jenes,  wenn 
auch  selbst  der  Stoff  verschieden  ist,  so  kann  man  die  ganze  dioptrische 
Wirkung  aller  lichtbrechenden  Theile  des  Auges  mit  der  einer  Sam- 
mellinse von  gleicher  Stärke  vergleichen ;  und  da  bei  allen  Linsen 
ihre  dioptrische  Kraft  nach  ihrem  Verhalten  zu  parallel  auffallenden 
Lichtstrahlen  (nach  ihrer  Hauptbrennweite)  bemessen  wird,  so  ist  dies 
auch  hier  der  Fall. 

Schon  Kepler  hat  nachgewiesen,  dass  im  menschlichen  Auge  ähn- 
liche Verhältnisse  obwalten ,  wie  in  einer  Camera  obscura ,  deren 
wesentlichste  Theile  aus  einer  Sammellinse  und  dem  die  Bilder  auf- 
fangenden Schirme  bestehen.  Wie  dieser  Schirm  im  Hauptbrenn- 
punkte der  Linse  stehen  kann  oder  nicht,  so  verhält  es  sich  auch  bei 
den  Augen,  wo  alle  licbtbrechenden  Theile  durch  eine  Sammellinse, 
die  an  dioptrischer  Kraft  ihnen  gleich  kommt,  der  auffangende  Schirm 
durch  die  Retina  repräsentirt  werden. 

Es  kommt  daher  bei  Beurtheilung  und  Eintheilung  der  Refrac- 
tionszustände  der  Augen  die  Lage  des  Hauptbrennpunkts  (die  hintere 
Hauptbrennweite)  in  Betracht,  nämlich  ob  der  Vereinigungspunkt 
parallel  mit  der  Hauptaxe  einfallender  Lichtstrahlen  in  die  (Stäbchen 
und  Zapfenschichte  der)  Retina  oder  vor  oder  hinter  dieselbe  fällt. 

Nach  diesen  drei  Möglichkeiten  theilt  man  die  Refractionszustände 
ein  in  Emmetropie  und  Ametropie  mit  ihren  zwei  Unterarten  (Myopie 
und  Hypermetropie). 

1)  Ist  das  Auge  der  Art  gebaut,  dass  es  seinen  hinteren  Haupt- 
brennpunkt in  der  Retina  hat,  so  wird  dieser  Refractionszustand 
als  Emmetropie  (E  =  *-)  die  Hauptbrennweite  im  richtigen 
Masse  zur  Länge  der  Augenaxe  stehend  bezeichnet  und  jede 
Abweichung  von  dieser  Norm  als  Ametropie  ausser  dem  rich- 
tigen Masse  sich  befindlich;  und  wirklich  ist  der  Grund  der 
Abweichungen  in  der  Regel  in  verschiedener  Länge  der  Augen- 
axe begründet,  die  in  dem  hypermetropischen  Auge  kürzer, 
in  dem  myopischen  länger  ist,  als  in  dem  emmetropischen  Auge. 

2)  Fällt  der  Hauptbrennpunkt  vor  die  Retina,  hat  die  Haüptbrenn- 
weite  im  Vergleiche  zur  längeren  Augenaxe  ein  zu  kurzes 
Mass,  bezeichnet  man  diesen  Zustand  als  Brachymetropie ,  ein 
Verhältniss,  das  unter  dem  Namen  Myopie    längst  bekannt  ist. 

3)  Fällt  der  Hauptbrennpunkt  hinter  die  Retina,  geht  also  die 
Hauptbrennweite  im  Verhältniss  zur  kürzeren  Augenaxe  über 
das  richtige  Mass  hinaus,  hat  man  Hypermetropie,  ein  Zustand, 


—     9     — 

dessen  nähere  Verhältnisse  erst  in  der  neuesten  Zeit  durch 
Donders  präcisirt  wurden. 

Bei  Myopie  (M)  hat  daher  der  dioptrische  Apparat  im  Verhält- 
niss  zur  Lage  der  Retina,  zum  Baue  des  Auges  ein  relativ  zu  grosses 
Brechungsvermögen  und  dieses  plus  an  brechender  Kraft  kann  mit 
dem  Sammelvermögen  einer  Convexlinse  (-}-  i/m)  verglichen  werden, 
die  soviel  positive  Brennweite  (m")  besitzt  als  die  zur  Neutralisation*) 
der  Myopie  benöthigte  Concavlinse  negative  Brennweite  haben  muss. 

Jene,  möglichst  nahe  vor  das  Auge  gebrachte  Linse  ist  aber  für 
dasselbe  neutralisirend,  welche  es  befähigt,  im  Zustande  der  Acconio- 
dationsruhe  parallel  einfallende  Strahlen  in  seiner  Retina  punktuell  zu 
vereinigen,  welche  also  dessen  Refraction,  soweit  es  geschehen  kann, 
der  des  emmetropischen  gleicht  macht. 

Myopie  =  M  ==  E  +  ym  =  i    +  i/m  =  +  i/m. 

Bei  Hypermetropie  (H)  hat  der  dioptrische  Apparat  ein  für  den 
Bau  des  Auges  relativ  zu  geringes  Sammelvermögen  und  dieses  minus 
an  brechender  Kraft  kann  mit  dem  Zerstreuungsvermögen  einer  ent- 
sprechenden Concavlinse  (—  i/h.)  verglichen  werden,  die  soviel  nega- 
tive Brennweite  ( —  h")  hat,  als  die  zur  Neutralisation  der  Anomalie 
dienende  Convexlinse  positive  Brennweite  haben  muss. 

Hypermetropie  =  H  =  E  —  i/h  =  ^  —   i/h  =   —   7*- 

Vor  nicht  gar  langer  Zeit  galt  noch  die  Presbyopie  als  derjenige 
Zustand,  welcher  der  Myopie  entgegengesetzt  sei ;  und  zwar  mit  schein- 
barem Rechte,  denn  hier  fand  man  das  Gebiet  der  deutlichen  Seh- 
weite zu  nahe,  dort  zu  ferne  vom  Auge.  Die  neueren  Forschungen 
haben  aber  die  Presbyopie  als  den  normalen  physiologischen  Zustand 
des  Auges  in  einer  gewissen  Altersperiode  kennen  gelehrt,  bestehend 
in  verminderter  Accomodationsbreite  ,  wodurch  sich  je  nach  der  Lage 
des  Accomodationsbereichs  Sehstörungen  geltend  machen  oder  nicht. 
Eine  Trennung  der  vom  anatomischen  Baue  und  der  Lage  der  ein- 
zelnen Theile  abhängigen  Refraction  von  der  durch  Accomodation 
hervorgebrachten  Wirkung  war  erst  nach  Erkenntniss  des  Wesens  der 
Accomodation  und  der  bei  derselben  im  Auge  eintretenden  Veränder- 
ungen möglich,  erst  dann  war  man  im  Stande,  eine  Scheidung  der 
betreffenden  Anomalien  vorzunehmen. 

Da  man  jetzt  fast  allgemein  annimmt,  dass  für  den  fernsten  Punkt 
des    deutlichen    Sehens    diejenigen  Theile    im    Zustande   vollständiger 

*)  Von  dem  Abstände  des  Neutralisationsglases  vom  Knotenpunkte  des  Auges 
ist  abgesehen  worden  im  Interesse  der  Einfachheit  und  Deutlichkeit.  Es  ist  auch 
nur  bei  Gläsern  mit  sehr  kurzer  Brennweite  nöthig,  diesen  Abstand  zu  berücksich- 
tigen (er  beträgt  einen  halben  Zoll). 


—    10    — 

Erschlaffung  sich  verhalten,  welche  beim  Sehen  in  der  grössten  Nähe 
in  den  Zustand  grösstmöglichster  Spannung  sich  versetzen,  muss  die 
Refraction  bei  Accomodationsruhe  bestimmt  werden.  Desshalb  benützt 
man  auch  bei  subjectiven  Bestimmungen  der  Refraction  die  Lage  des 
Fernpunktes  des  Auges. 

Der  von  dem  Knotenpunkte  des  Auges  entferntest  gelegene  Punkt, 
von  dem  ausgehende  Lichtstrahlen  ohne  optische  Correction  (und  ohne 
Accomodation)  im  Auge,  in  seiner  Ketina  punktuell  vereinigt  werden, 
wird  als  Fernpunkt  bezeichnet. 

Während  dieser  Punkt  beim  emmetropischen  Auge  in  unendlicher 
Ferne  liegt,  befindet  er  sich  beim  myopischen  näher  oder  ferner  vor 
dem  Knotenpunkte  in  der  positiven  Endlichkeit ;  bei  dem  hypermetro- 
pischen  näher  oder  ferner  hinter  dem  Knotenpunkte  in  der  negativen 
Endlichkeit,  entsprechend  der  jedesmaligen  Grösse  der  Ametropie. 

Als  einander  entgegengesetzte  Refractionszustände  sind  nunmehr 
Myopie  und  Hypermetropie  erkannt  und  sind  auch  die  von  ihnen 
verursachten  oder  doch  mit  ihnen  im  Zusammenhange  stehenden  Seh- 
störungen entgegengesetzter  Art: 

Die  Hypermetropie  verursacht  accomodative  Asthenopie  und  Stra- 
bismus convergens ,  die  Myopie  dagegen  musculäre  Asthenopie  und 
Strabismus  divergens.  *) 

2)  Ist  es  nothwendig,  sich  zu  vergegenwärtigen,  dass  die  aus 
dem  Auge  zurückkehrenden  Lichtstrahlen  denselben  Brechungsverhält- 
nissen unterworfen  sind,  wie  die  eintretenden. 

a)  Das  emmetropische  Auge  also,  das  im  Zustande  der  Accomo- 
dationsruhe, der  für  die  Folge  immer  vorausgesetzt  wird,  sei- 
nen hinteren  Hauptbrennpunkt  in  der  Retina  hat,  lässt  umge- 
kehrt vom  Augengrunde  ausgehende  Strahlen  nach  ihrem  Durch- 
gange durch  die  Cornea  —  also  in  der  Luft  —  parallel  weiter 
gehen,  oder  doch  nur  so  wenig  convergent,  dass  sie  als  parallel 
betrachtet  werden  müssen,  so  dass  sie  sich  erst  in  dem  in  der 
Unendlichkeit  liegenden  Fernpunkte  wieder  vereinigen. 

b)  Das  myopische  Auge,  das  vermöge  seines  Baues  für  divergent 
auffallende  Strahlen  eingestellt  ist,  für  Strahlen  also,  die  von 
einem  in  der  positiven  Endlichkeit  liegenden,  näher  oder  ferner 
vor  dem  Auge  sich  befindlichen  Punkte  —  seinem  Fernpunkte 
—  herkommen,  gibt  den  von  einem  Punkte  der  Retina  aus- 
gehenden  beim   Austritte   in   die  Luft   eine    Convergenz    nach 

*)  Näheres  über  diese  interessanten  Beziehungen  findet  sich  in  „Die  Anomalien 
der  Refraction  und  Accomodatien  des  Auges  von  F.  G.  Donders".  Deutsche  Aus- 
gabe von  Otto  Becker.     Wien  1866. 


—  11   - 

diesem  Fernpunkte,  z,  B.  bei  Myopie  =  +  7io>  wo  der  Fern- 
punkt  10  Zoll  vor  dem  Knotenpunkte  des  Auges  liegt,  werden 
die  von  dem  Fernpunkte  ausgehenden,    also  divergent  auf  die 
Hornhaut  auffallenden  Strahlen  in  der  Retina  wieder  vereinigt 
und  umgekehrt  sind  von  einem  Punkte  der  Retina  ausgehende 
Strahlen  nach  ihrem  Durchtritte  durch  die  Cornea   so   conver- 
girend,  dass  sie  in  dem  10  Zoll  entfernten  Punkte  wieder  sich 
vereinigen, 
c)   Das  Jiypermetropische  Auge,  das  im  Zustande  passiver  Accomo- 
dation  nicht  die  Kraft  besitzt,  parallel  eintretende  Lichtstrahlen 
in  seiner  Retina  punktuell  zu   vereinen,    sondern   nur  entspre- 
chend dem  Grade  der  Hypermetropie   convergent   auffallende, 
kann   auch   von    einem   Punkte    der   Retina   ausgehende   nicht 
parallel  machen,    sondern  muss    sie  divergent   austreten    lassen 
und  zwar  gibt  es  denselben  eine  Divergenz,  als  kämen  sie  von 
seinem  Fernpunkte,    einem  imaginären   in  der  negativen  End- 
lichkeit (hinter  der   Retina)   liegenden    Punkte   her;    z.  B.  bei 
H  =  —  i/20    haben   die   von  einem  Punkte   der   Retina  kom- 
menden Lichtstrahlen   bei  ihrem  Austritte  aus  der  Cornea  eine 
Divergenz,  als  kämen  sie  von  einem  20  Zoll  hinter  dem  Knoten- 
punkte*) des  Auges  gelegenen  Punkte  her. 
Nach  diesem  angedeuteten  Gange  der  Lichtstrahlen  bei  den  ver- 
schiedenen Refractionszuständen  wird  es  leicht  verständlich  sein,    dass 
der   mit   dem   Augenspiegel   untersuchende  Emmetrope   ein    virtuelles 
Bild   des   Augengrundes   eines   Emmetropen    erhalten   wird ,    welches 
weder  durch  negative,    noch   durch  positive    Gläser    an   Schärfe   und 
Deutlichkeit  gewinnt;  dass  er  dagegen  eines  Concavglases  bedarf  bei 
der  Untersuchung  eines  Myopen,  um  die  von  der  Retina  kommenden 
convergent  austretenden   Lichtstrahlen   bis   zum  Parallelismus   zu  zer- 
streuen und  eines  Convexglases   bei   der   Untersuchung   eines  Hyper- 
metropen,  um  eben  die  divergent  austretenden    von   der   Retina  kom- 
menden Lichtstrahlen  bis  zum  Parallelismus  zu  sammeln. 

Der  dioptrische  Werth  des  henöthigten  Glases  gibt  daher  den 
Grad  der  gefundenen  Ametropie  an,  nur  ist  wegen  des  grösseren  Ab- 
standes  des  Glases  vom  Knotenpunkte  des  untersuchten  Auges  eine 
Correktion  nöthig  und  zwar  eine  solche  im  negativen  Sinne  bei  An- 
wendung von  negativen  Gläsern,  und  eine  solche  im  positiven  Sinne 
bei  Anwendung  von  positiven  Gläsern ,  so  dass  also  die  gefundene 
Myopie  etwas  geringer,  die  Hypermetropie  etwas  grösser  ist,   als  der 


*)  Eigentlich  Hauptpunkte,  siehe  optischen  Theil. 


—    12    - 

reciproke  Werth  des  benöthigten  Glases.  Bei  möglichster  Annäher- 
ung mit  dem  lichtschwachen  Jä^er'schen  Augenspiegel  beträgt  die 
nöthige  Correktion  einen  Zoll,  so  dass  der  Emmetrope  z.  B.  bei  An- 
wendung von  Glas  —  8"  nicht  Myopie  -f-  i/Sf  sondern  -\-  */9  und  bei 
Anwendung  von  Glas  -f-  i/i0  nicht  Hypermetropie  — i/i0,  sondern 
—  1/9  gefunden  hat. 

3)  Ist  es  nothwendig,  dass  der  Untersuchende  seinen  eigenen 
Refractionszustand  genau  kennt;  denn  ist  er  selbst  ametropisch,  muss 
er  die  Grösse  seiner  Refractionsanomalie,  den  Grad  seiner  Ametropie 
in  Rechnung  bringen. 

Es  benützt  nämlich  der  untersuchende  Myope  ein  Concavglas 
nicht  allein  zur  Correktion  der  Refractionsanomalie  des  Untersuchten, 
wie  dies  der  Emmetrope  thut,  sondern  auch  zur  Neutralisation  der 
ihm  eigenen  Refractionsanomalie.  Bei  Anwendung  eines  Convexglases 
benützt  er  dieses  und  ausserdem  noch  das  seinem  Auge  innewohnende, 
um  den  Grad  seiner  Myopie  erhöhte  Brechungsvermögen  (-|-  */m). 
Der  untersuchende  Myope  muss  desshalb  zur  Berechnung  des  vor- 
handenen Refractionszustandes  eine  Correktion  vornehmen,  so  dass  die 
gefundene  Myopie  kleiner,  die  Hypermetropie  grösser  ist,  als  der 
reciproke  Werth  des  benöthigten  Glases  und  zwar  um  den  Grad  sei- 
ner Myopie. 

Im  umgekehrten  Verhältnisse  steht  der  Hypermetrope.  Dieser  muss 
bei  Anwendung  von  Concavgläsern  den  reciproken  Werth  seiner 
Hypermetropie  addiren,  bei  Anwendung  von  Convexgläsern  den  Theil, 
welcher  von  seiner  Hypermetropie  ( —  i/h)  behufs  Neutralisation  in 
Anspruch  genommen  wird,  subtrahiren. 

Mit  kurzen  Worten: 

Der  Myope  muss  nach  dem  Grade  seiner  Myopie  den  reciproken 
Werth  einer  Convexlinse  (-j-  Vm),  der  Hypermetrope  den  seiner 
Refractionsanomalie  entsprechenden  Werth  einer  Concavlinse  ( —  i/h) 
in  Rechnung  bringen  und  dann  gleich  dem  Emmetropen  die  nöthige 
Correktion  wegen  des  Abstandes  der  Gläser  von  den  Augen  vor- 
nehmen, um  die  Refraction  eines  untersuchten  Auges  richtig  bestimmen 
zu  können. 


Um  nun  diese  werthvolle  Untersuchungsmethode  möglichst  üben 
und  die  Schwierigkeiten,  welche  bei  der  ersten  Handhabung  des 
Augenspiegels  entgegentreten ,  ohne  besondere  Mühe  überwinden  zu 
können,  habe  ich  einen  Apparat  construirt,  der  bereits  in  mannig- 
facher Weise  sich  praktisch  bewährt  hat. 


-     13    — 

Durch  denselben  ist  man  im  Stande,  vom  ersten  Anfange  bis  zur 
Vollendung  nicht  allein  die  Untersuchungstechnik,  sondern  auch  die 
im  Augengrunde  vorkommenden  physiologischen  und  pathologischen 
Veränderungen  kennen  zu  lernen;  ja  noch  mehr:  während  der  Apparat 
für  den  Untersuchenden  selbst  als  Optometer  dient,  ist  er  auch  zu 
Uebungen  in  Refractionsbestimmungen  ganz  vorzüglich,  denn  die  ver- 
schiedenartigsten Refrectionszustände  vom  höchsten  Grade  der  Kurz- 
sichtigkeit bis  zum  höchsten  Grade  der  Uebersichtigkeit  können  an 
ihm  zur  Augenspiegeluntersuchung  gebracht  werden. 

Ich  glaube,  dass  nunmehr  für  die  Zukunft  allen  oben  angeführ- 
ten Erfordernissen  leicht  entsprochen  werden  kann;  denn  für  genü- 
gendes, leicht  verwendbares  Material  hat  Eduard  v.  Jäger  durch 
seinen  neuen  ausgezeichneten  Atlas  (1869)  gesorgt,  der,  was  Genauig- 
keit der  Bilder,  Auswahl  der  Fälle,  Brauchbarkeit  und  Ausstattung 
anbelangt,  fast  nichts  zu  wünschen  übrig  lässt.  Und  wenn  erst  der 
Atlas  seines  Charakters  als  Atlas  vollständig  entkleidet  und  in  Ver- 
bindung mit  meinem  unten  beschriebenen  neuen  Apparate  verwerthet 
wird,  wird  sich  von  Schwierigkeiten  bei  Erlernung  der  Ophthalmoscopie 
kaum  mehr  sprechen  lassen  und  wird  bei  grösserer  Cultivirung  der 
Untersuchungsmethode  im  virtuellen  Bilde  der  Augenspiegel  auch  als 
Optometer  eine  allgemeinere  Verwendung  finden. 

Mit  dem  Apparate  einmal  vertraut,  was  in  kurzer  Zeit  ohne  be- 
sondere Mühe  geschehen  kann,  werden  bei  der  Untersuchung  am 
Lebenden  keine  Schwierigkeiten  mehr  erwachsen ,  denn  die  Art  und 
Weise  der  Untersuchung  kann  stufenweise,  entsprechend  der  Uebung 
und  erlangten  Fertigkeit  des  Untersuchenden  der  am  Lebenden  immer 
ähnlicher  gemacht  werden,  auch  erhalten  die  Bilder  eine  mit  den  am 
Lebenden  Gesehenen  wirklich  frappante,  selbst  den  geübten  Unter- 
sucher im  hohen  Grade  befriedigende  Aehnlichkeit. 

Der  Apparat  bietet  folgende  Vortheile: 

1)  Lernt  der  Untersuchende  der  Beleuchtung  vollständig  Herr 
werden. 

2)  Lernt  er  seine  Accomodationsthätigkeit  in  jeder  Weise  con- 
trolliren. 

3)  Hat  der  Untersuchende  am  Texte  des  Atlas  einen  vortrefflichen 
Lehrer  stets  zur  Seite. 

4)  Hat  er  für  die  Untersuchung  im  virtuellen  und  reellen  Bilde 
mit  meinem  neuen  Apparate  an  den  Jäger  sehen  Tafeln  ein 
ihm  jeder  Zeit  zur  Verfügung  stehendes  physiologisches  und 
pathologisches  Material  wie  in  keiner,  selbst  nicht  der  grössten 
Augenklinik. 


—    14    — 

5)  Kann  der  Untersuchende  an  diesem  Apparate  sich  ausserordent- 
lich gut  im  scharfen  und  deutlichen  Sehen  mit  dem  rechten 
wie  linken  Auge  üben  und  alsbald  zwischen  deutlieh  und  ver- 
schwommen Sehen  unterscheiden  lernen;  und 

6)  was  ein  namentlicher  Vorzug  ist,  er  kann  eine  vollkommene 
Fertigkeit  in  der  Verwendung  des  Ophthalmoscops  zur  Opto- 
metrie sich  zu  eigen  machen,  indem  er  durch  beliebige  Her- 
stellung der  verschiedenartigsten  Refractionsanomalien  sich  das 
umfassendste  Material  zur  Uebung  jederzeit  auf  die  leichteste 
"Weise  beschaffen  kann. 

Ausserdem  ist  der  Apparat  ganz  ausgezeichnet  zur  Demonstration 
und  Erklärung  der  verschiedenartigen  Refractionszustände,  wenn  man 
in  die  Vorrichtung  an  der  Hinterseite  ein  ölgetränktes  Papier  oder 
eine  matte  Glasplatte  einlegt,  und  dann  denselben  wie  eine  Camera 
obscura  benützt. 

Der  Apparat  auf  einem  eisernen  Statif  mit  verschieden  hoch  stell- 
barem Träger  ruhend,  besteht  aus  folgenden  Theilen  von  Messing. 

a)  Aus  dem  äusseren  Cylinder  3y2  rhein.*)  Zoll  lang,  2  Zoll 
4  Linien  weit. 

b)  Aus  dem  vorderen  Verschluss ,  der  in  den  äusseren  Cylinder 
eingesteckt  und  leicht  abgenommen  werden  kann.  Dieser  Ver- 
schluss hat  in  seiner  Mitte  eine  i/2  Zoll  Durchmesser  haltende 
Ocffnung  —  das  Sehloch  —  und  ist  aussen  matt  geschwärzt. 
An  seiner  Innenseite,  die  also,  wenn  er  aufgesteckt  ist,  der 
Höhlung  des  Cylinders  zusieht,  befindet  sich  eine  Vorrichtung 
zum  Einlegen  sphärischer  Gläser,  ähnlich  der  am  Jäger  sehen 
Augenspiegel  vorhandenen  —  und  zum  Einlegen  einer  Scheibe 
mit  kleinerem  Sehloch  (!/4  Zoll  Durchmesser). 

c)  Aus  dem  inneren  Cylinder,  welcher  wie  die  Theile  eines  Fern- 
rohrs in  den  äusseren  Cylinder  eingeschoben  und  ausgezogen 
werden  kann.  Er  ist  innen  matt  schwarz,  3  Zoll  lang  und  hat 
an  seiner  Oberfläche  eine  eingravirte  Scala,  welche,  wenn  der 
Cylinder  ausgezogen  wird,  den  Abstand  seines  hinteren  Ver- 
schlusses angibt,  resp.  den  Abstand,  welchen  ein  in  die  hiezu 
bestimmte  Vorrichtung  eingelegtes  Bild  vom  Sehloche  einnimmt. 

d)  aus  dem  hinteren  Verschluss,  der  zugleich  zur  Aufnahme  der 
Jäger* sehen  ophthalmoscopischen  Bilder  dient.  Diese  Vorricht- 
ung besteht  aus  einem  Kästchen,   dessen  quadratische  Grund- 

*)  Das  rheinische  Mass  musste  angenommen  werden,  da  die  Brennweiten  der 
üblichsten  Gläser  von  Pätz  und  Flohr  darnach  angegeben  sind.  Ein  rheinischer 
Zoll  ist  gleich  2,635  Centimeter. 


—    15    — 

fläche  (3  Zoll  Seitenlänge)  am  innern  Cylinder   angelöthet  ist. 
Diese  Grundfläche  ist  entsprechend  dem  Lumen   des  Cylinders 
kreisrund  ausgeschnitten,   so  dass    ein  in  das  Kästchen   einge- 
legtes Bild    vom   Sehloche   aus   vollständig   übersehen   werden 
kann.     Die  Tiefe  des  Kästchens  beträgt  2  Linien.    Der  Deckel 
desselben   ist   in   einem   Charnier   beweglich   und   dadurch  das 
Oeffnen  und  Schliessen  zum  Einlegen    und  Entfernen  der  Bil- 
der leicht  ermöglicht. 
Der  vollständig   ausgerüstete   Apparat   stellt   gewissermassen    ein 
aphakisches ,    also   vollständig    accomodationsloses ,    hypermetropisches 
Auge  dar,  dessen  Hintergrund,    wie   dessen   Refractionszustand   nach 
Belieben  geändert  werden  kann  und  zwar  der  erstere  durch  Einlegen 
verschiedener  Bilder,    der  letztere  nicht    allein   durch   Ausziehen  des 
inneren  Cylinders  mit  seinem  Bildkästchen,    sondern  auch  durch  Ein- 
legen verschiedener   sphärischer   Gläser  in   die  Vorrichtung   des  vor- 
deren Verschlusses. 

Ist  der  Apparat  z.  B.  zusammengeschoben  auf  4  Zoll  —  ohne 
Linse  —  entspricht  er  Aphakie  resp.  Hypermetropie  =  —  V4.  Ist 
er  auf  4  Zoll  Distanz  gestellt  und  Glas  -f-  6"  eingelegt,  entspricht 
er  Hypermetropie  =  —  yi2.  Wird  er  auf  5  Zoll  gestellt  mit  Glas 
-\-  21/2"  repräsentirt  er  Myopie  und  zwar  M  =  -\-  i/5. 

Der  jeweilige  Refractionszustand  berechnet  sich  nach  der  Formel : 

Vx  =  Vf  -  V« 

wenn 

x  den  Refractionszustand, 

f  die  Brennweite  des  eingelegten  positiven  Glases, 

d  den  Abstand  des  Bildes  vom  Sehloche  (eigentlich  Knotenpunkte 
des  eingelegten  Glases)  bezeichnet. 

Ist  die  gefundene  Grösse  positiv,  entspricht  der  Refractionszustand 
in  dem  gefundenen  Grade  der  Myopie;  bei  sich  ergebender  negativer 
Grösse  dem  entsprechenden  Grade  von  Hypermetropie. 

Unter  den  verschiedenartigsten  Refractionszuständen ,  welche   am 
Apparate  dargestellt  werden  können,  werden  z.  B.  hergestellt 
+    lA  •    V»  •    79  •    V12  .    V»  •    V*  •    V*  •    7«  Myopie 

*/r~ W»«/». **/».*/».  74.  »/•*;  *Vw» •'/«/, 

wenn  der  Zähler  die  Distanz,  auf  die  der  Apparat  gestellt  sein  muss, 
der  Nenner  das  einzulegende  positive  Glas  bedeutet;  und  ebenso 
I  =  Emmetropie 

V*  =*1V»»(.  •*/*•  **/*/,•  7*-  o°er 

—  V*  •    V»  •    lh  •    7i2-    720  •    V-'ä  •    7se  •    7«  Hypermetropie 

■»/,  =  */„ .  »/o  •  Vhh  •  V«  •  Vs  •  3,,!A  •  74%  •  4,feA  • 


—    16    — 

Der  Apparat  wird,  wenn  man  nicht,  wie  auch  bei  der  Ophthal- 
moscopie  am  Lebenden  geschehen  kann,  diffuses  Tageslicht  benützen 
will,  so  aufgestellt,  dass  die  seitwärts  stehende  als  Lichtquelle  dienende 
Lampe,  das  Auge  des  Beobachters  und  das  Sehloch  des  Apparats  in 
einer  horizontalen  Ebene  sich  befinden.  Die  Beleuchtung  geschieht 
dann  der  Art,  dass  man  mit  dem  lichtstarken,  bei  grösserer  Uebung 
mit  dem  lichtschwachen  Jäger  sehen  Augenspiegel  sich  so  sehr  wie 
nur  immer  möglich  dem  Sehloche  nähert  und  das  von  der  Lampen- 
flamme   aufgefangene  Licht  durch  dasselbe  in  den  Apparat    reflektirt. 

Der  Beobachter  schaut  in  der  bekannten  Weise  durch  den  Spiegel. 

Die  bei  eingelegten  Gläsern  auftretenden  Reflexbilder  stören  nur 
bei  unrichtiger  Haltung  des  Spiegels  und  müssen  durch  Neigung  des- 
selben aus  dem  Sehfelde  entfernt,  einfach  dislocirt  werden. 

Die  grösstmöglichste  Ausdehnung  der  Beleuchtung  wird  durch 
leichte  seitliche  Drehungen  des  Spiegels  mit  der  denselben  führenden 
Hand  ermittelt. 

Der  Emmetrope  beginnt  nun  z.  B.  seine  Uebung  damit,  dass  er 
den  auf  5  Zoll  ausgezogenen  nicht  mit  einer  Linse  versehenen 
Apparat  in  der  angeführten  Weise  beleuchtet,  so  dass  er  eine  deut- 
liche Anschauung  des  eingelegten  Bildes  durch  den  Augenspiegel 
gewinnt.  Bald  wird  hinreichende  Sicherheit  im  Festhalten  der  Be- 
leuchtung gewonnen  sein  und  er  wird  dann  durch  Probe  sich  über- 
zeugen, dass  er  auch  mit  Convexgläsern  untersuchen  und  zwar  wenn 
er  mit  seinem  Spiegel  sich  (in  toto)  2  Zoll  vom  Apparate  hält  bis 
Glas  7"  steigen  kann,  ohne  dass  das  Bild  an  Deutlichkeit  verliert.  Er 
wird  hiedurch  zur  Ueberzeugung  kommen,  dass  er  zuerst  mit  Accomo- 
dationsanstr engung,  zuletzt  ohne  Accomodationsthätigkeit  untersucht,  dass 
er  sein  Auge  zuerst  auf  einen  nahen  Punkt,  zuletzt  auf  seinen  Fern- 
punkt einstellt.  Der  Emmetrope,  wie  jeder  Untersuchende  mucs  sich 
dann  allmählig  gewöhnen,  ohne  Accomodationsthätigkeit  die  Unter- 
suchung vorzunehmen,  da  er  auf  solche  Weise  seine  Augen  am 
\yenigsten  anstrengt  und  ferner  die  Befähigung  erlangt,  verlässige 
und  richtige  Refractionsbestimmungen  auszuführen.  Da  dieselben  un- 
ter Ausschluss  der  Accomodationsthätigkeit  vorgenommen  werden, 
was  der  eine  Untersucher  früher,  der  andere  später  durch  Uebung 
erlernt,  ist  bei  Anwendung  von  Correctionsgläsern  das  stärkste  Con- 
vexglas  oder  das  schwächste  Concavglas  als  das  massgebende  zu  er- 
mitteln, mit  dem  im  speziellen  Falle  das  deutlichste  Bild  des  Augen- 
grundes erhalten  wird. 

2)  Der  Emmetrope  wird  dann  z.  B.  den  Apparat  auf  Hyper- 
metropie  =  —  Y20  stellen  —  durch  Ausziehen  auf  4  Zoll   und  Ein- 


-     17     — 

legen  von  Glas  -j-  5".  Er  wird  dann  im  Stande  sein,  ein  scharfes 
Bild  des  Augengrundes  zu  sehen,  wenn  er  Glas  -f-  22"  in  den  Au- 
genspiegel einlegt  und  mit  demselben  2  Zoll  vom  Sehloche  sich  ent- 
fernt hält,  da  dann  durch  dieses  Glas  -\-  y22  die  aus  dem  Apparate 
divergent  austretenden  Strahlen  parallel  gemacht  werden,  wie  sie  der 
Emmetrope  benöthigt. 

3)  Bei  Myopie  =  -\-  Y20  —  durch  Ausziehen  auf  5  Zoll  und 
Einlegen  von  Glas  -f~  4"  —  wird  der  Emmetrope  auf  2  Zoll  Ab- 
stand vom  Sehloche  Glas  —  18"  bedürfen.  Denn  in  diesem  Falle 
treten  die  Lichtstrahlen,  die  von  einem  Punkte  des  Bildes  kommen, 
mit  einer  Convergenz  nach  einem  20  Zoll  vor  dem  Knotenpunkte 
des  eingelegten  Glases  (-|-  4")  gelegenen  Punkte  aus  dem  Sehloche. 
Nachdem  diese  Strahlen  2  Zoll  zurückgelegt,  haben  sie  nur  noch  eine 
Convergenz  nach  einem  18  Zoll  entfernten  Punkte  und  durch  ein 
Concavglas  von  —  18"  an  dieser  Stelle  werden  sie  parallel  wie  sie 
der  accomodationslose  Emmetrope  bedarf. 

4)  Würde  aber  der  Untersucher  z.  B.  ebenfalls  Myope  sein  und 
zwar  in  einem  Grade,  dass  sein  Neutralisationsglas  —  18"  wäre,  so 
würde  er  im  Falle  Nro.  3.  Glas  —  9"  gebrauchen  müssen  und  zwar 

—  Yis  a^s  Correc  tio  nsglas  für  die  Myopie  des  Untersuchten    und 

—  yi8  als  Neutralisationsglas  seiner  eigenen  Ametropie. 

5)  Ein  Myope  z.  B.  -f-  J/r  wlr&  den  Apparat  auf  5  Zoll  aus- 
ziehen und  dann  das  eingelegte  Bild,  ohne  dass  er  eines  Glases  be- 
dürfte, deutlich  sehen,  denn  dasselbe  befindet  sich  wegen  der  Entfern- 
ung seines  Auges  vom  Sehloche  (2")  im  Fernpunkts-Abstande  des 
Myopen  -f-  V7.  Ein  Myope  =  -|-  i/6  wird  den  Apparat  dagegen 
nur  auf  4  Zoll  stellen  dürfen,  wenn  er  ohne  Correctionsglas  mit  dem 
Ophthalmoscope  untersuchen  will  und  2  Zoll  vom  Apparate  sich  ent- 
fernt hält. 

6)  Würde  ein  Myope  seines  Neutralisationsglases  bedürfen 
und  dieses  gerade  das  schwächste  Concavglas  sein ,  mit  dem  er  das 
eingelegte  Bild  vollkommen  klar  und  deutlich  sehen  kann,  so  würde 
ihm  diess  beweisen,  dass  die  Refraction  des  Apparates  auf  Emmetropie 
(E=l)  gestellt  wäre  (z.  B.  Distanz  4"  Glas  +  4"). 

7)  Würde  ein  Myope  =  -f-  V22  au^  2  Zoll  Abstand  vom  Seh- 
loche das  Bild  am  deutlichsten  ohne  Correctionsglas  sehen,  würde  der 
Apparat  H— V20  darstellen  (nemlich  bei  4  Zoll  Distanz  und  Glas 
+  5").  Es  würden  in  diesem  Falle  die  Lichtstrahlen  auf  das  Auge 
des  Myopen  mit  einer  Divergenz  auffallen,  als  kämen  sie  von  einem 
22  Zoll   entfernten   Punkte    her   und    solche    divergente  Lichtstrahlen 


—    18    - 

bedarf  er   gerade ,    um    sie   ohne  Accomodationsthätigkeit    und    ohne 
Correctionsglas  in  seiner  Retina  punktuell  zu  vereinigen. 

8)  Würde  der  Apparat  auf  Hypermetropie  H — V28  (Distanz 
3y2"  Glas  -f-  4")  eingestellt  und  der  Untersuchende  wäre  H — 1/30, 
würde  zunächst  für  die  Correction  des  Apparates  -f-  730  (unc*  zwar 
-f-  28"  für  die  Neutralisation  und  2"  für  Correction  des  Abstandes 
giebt  -|-  30;(=y30)  nothwendig  werden.  Wäre  nun  der  Untersucher 
Emmetrope,  würde  er  sich  parallelen  Lichtstrahlen  gegenüber  befin- 
den, mithin  ein  scharfes  Bild  des  Hintergrundes  des  Apparats  er- 
halten. 

Da  aber  der  Untersucher  im  gegebenen  Falle  selbst  Hyperme- 
trope  und  zwar  —  Y30  ist,  bedarf  er  noch  weiteres  zur  Neutralisation 
seiner  Ametropie  ein  Glas  -f-  i/30.  Er  hat  mithin  2mal  */30  mithin 
Glas  Yi5=15"  anzuwenden.  Wenn  daher  ein  Hypermetrope  =  —  !/30 
den  Augengrund  im  virtuellen  Bilde  untersucht  mit  Glas  */15  und 
dieses  auf  einen  Abstand  von  2  Zoll  vom  Sehloche  das  stärkste  Con- 
vexglas  ist,  mit  dem  er  das  deutlichste  Bild  erhält,  so  hat  er  zur 
Berechnung  der  gefundenen  Ametropie  das  Quantum  der  dioptrischen 
Kraft,  das  behufs  Neutralisation  absorbirt  wird,  in  Abrechnung  zu 
bringen.  Es  bleibt  ihm  dann  noch  -J-  i/30=30",  die  Distanz  von  2 
Zoll  noch  subtrahirt,  (da  ein  Convexglas  als  Correctionsglas  verwen- 
det wurde,  bei  einem  Concavglas  müsste  die  Distanz  addirt  werden) 
giebt  28".  Die  gefundene  Ametropie  bedarf  eines  Convexglases  von 
28kt  Brennweite  zur  Neutralisation,  die  Ametropie  ist  daher  negativ, 
also  Hypermetropie  und  ihr  Grad  beträgt  —  i/2^ 

Zur  Darstellung  und  Erklärung  der  Linsengesetze  u.  s.  w.  und 
zu  deren  Studium  leistet  der  Apparat  unübertreffliche  Dienste. 
Zu  diesem  Zwecke  wird  eine  matte  Glastafel  eingelegt  und  kann  man 
z.  B.  folgende  Gesetze  praktisch  demonstriren. 

1)  Im  Hauptfocus  einer  Sammellinse  entstehen  umgekehrte ,  reelle 
dioptrische  Bilder  und  können  dieselben  deutlich  wahrgenom- 
men werden,  wenn  der  auffangende  Schirm  im  Hauptbrenn- 
punkte steht.  *) 

2)  Das  Gesetz  der  conjugirten  Brennweiten  ya-}-1/0— 1A  die  Summe 
des  dioptrischen  Werthes  der  conjugirten  Brennweiten  ent- 
spricht dem  dioptrischen  Werthe  der  Hauptbrennweite. 

Z.  B.  Mit  Glas  -f-  4"  eingelegt  und   Distanz  4"    zeigt   der 
Apparat    von    relativ    unendlich     entfernten    Gegenständen 


*J  Vide  optischen  Theil. 


—     19    — 

scharfe  Bilder,  während  Gegenstände  in  einer  (endlichen) 
Entfernung  von  20  Zoll  bei  gleicher  Distanz  des  Beobach- 
ters erst  dann  scharfe  Bilder  geben,  wenn  der  Apparat  auf 
5  Zoll  ausgezogen  wird.     y4=i/20-|-y5. 

3)  Die  Summe  des  reciproken  Werthes  der  Hauptbrennweiten  ist 
gleich  der  dioptrischen  Kraft  einer  Combination.  *) 

Der  Apparat  zeigt  scharfe  Bilder  mit  derselben  Distanz  bei 
eingelegtem  Glas  -|-  5"  oder  bei  (~f-  10"  und  -f-  10")  denn 

V,0+7lO=V5- 

4)  Die  Ametropie  ist  (in  der  Mehrzahl  der  Fälle)  durch  die  un- 
verhältnissmässige  Länge  der  Augenaxe  bedingt.  Bei  Myopie 
ist  sie  länger,  bei  Hypermetropie  kürzer  als  im  emmetropischen 
Zustande. 

Die  reellen  Bilder  sind  scharf  vorhanden,  wenn  bei  Glas  -\-  5" 
die  Distanz  des  Apparates  auf  5  Zoll  gestellt  ist,  sie  sind  da- 
gegen undeutlich  bei  Distanz  =  6  Zoll  oder  4  Zoll. 

5)  Correction  der  Ametropie  auf  optischem  Wege  (durch  Brillen). 
Bei  Myopie  des  Apparats  z.  B.  M  +  Vn  (Glas  +  37a"  Dis' 
tanz  5U)  wird  Glas  —  10"  ( —  Vio)  vor  das  Sehloch  gehalten 
in  auffallender  Weise  die  Deutlichkeit  des  Bildes  entfernter 
Gegenstände  hervorrufen,  ebenso  beiHypermetropie  z.  B.  —  y8 
(Glas  8"  Distanz  4"),  wenn  Glas  +  9"  (+  1/9)  zur  Cor- 
rection verwendet  wird. 

6)  Die  Accomodationsthätigkeit  (Accomodaüonsbreite)  lässt  sich  in 
ihrem  dioptrischen  Werthe  mit  einer  Convexlinse    vergleichen. 

Z.  B.  Einstellung  des  Apparats  auf  den  Fernpunkt  (Glas 
-j-  5"  u.  Dist.  5"),  dann  erhält  man  von  Objekten  in  re- 
lativ unendlicher  Entfernung  scharfe  Bilder,  um  aber  einen 
nahen  Gegenstand  z.  B.  ein  20  Zoll  vom  Apparate  entfern- 
tes Stäbchenoptometer  deutlich  abgebildet  zu  erhalten,  muss 
unter  Beibehaltung  derselben  Entfernung  des  Beobachters 
noch  ausserdem  Glas  -|-  20"  eingelegt  werden.  Die  Acco- 
modationsbreite  entspricht  in  diesem  Falle  einer  Convex- 
linse   =    i/jQ. 

7)  Stärkere  Linsen  geben  kleinere  Bilder  als  schwächere. 

8)  Die  sphärische  Aberration  bedingt  die  Nothwendigkeit  der  Ab- 
haltung der  Randstrahlen,  wenn  die  Deutlichkeit  und  Genauig- 
keit der  Bilder  nicht  beeinträchtigt  werden  soll. 


*)  Vide  optischen  Theil. 


-   «0  — 

Es  würde  ermüden,  wollte  ich  noch  weitere  Beispiele  der  An- 
wendungsart des  Apparats  anführen.  Aus  diesen  wenigen  schon  wird 
der  aufmerksame  Leser  ersehen  haben,  welch1  mannigfache  Verwen- 
dung dem  Apparate  gegeben  werden  kann  und  wie  die  Untersuch- 
ungsmethode, sowie  die  der  Refractionsbestimmung  mit  der  am  Leben- 
den übereinstimmt. 

Ich  empfehle  daher  den  Apparat  Allen,  welche  sich  für  Oph- 
thalmoscopie,  für  die  Untersuchung  im  virtuellen  Bilde  und  speciell 
für  die  Optometrie  interessiren  in  der  Ueberzeugung,  dass  es  mir  ge- 
lungen, durch  diese  Erfindung  die  wesentlichsten  Schwierigkeiten  der 
ersten  ophthalmoscopischen  Studien  für  Lehrende  sowohl  wie  für 
Lernende  zu  beseitigen,  die  Ophthalmoscopie  fast  Jedem  zugänglich 
und  die  trefflichen  Jäger  sehen  Spiegelbilder  dadurch ,  dass  sie  das 
lebende  Material,  welches  so  selten  und  schwer  zu  erhalten  ist,  wirk- 
lich ersetzen,  erst  vollkommen  nutzbar  gemacht  zu  haben. 

Die  Prüfung  und  der  Gebrauch  werden  mehr  noch  als  die  an- 
geführten Gründe  für  die  Brauchbarkeit  und  Zweckmässigkeit  des 
neuen  Apparats  entscheiden. 


-     21     - 

Die  Gesetze  der  Katoptrik  und  Dioptrik  im  Allgemeinen  und 
speziell  die  der  sphärischen  Linsen  müssen  Demjenigen,  der  mit  dem 
Augenspiegel  im  virtuellen  Bilde  untersuchen  und  Refractionsbestim- 
mungen  vornehmen  will,  vollständig  bekannt  sein.  Es  sei  deshalb 
nur  in  Rücksicht  auf  die  öfters  gebrauchten  Bezeichnungen  in  Kürze 
Folgendes  erwähnt. 

Von  jedem  einzelnen  Punkte  eines  leuchtenden  Körpers  strahlt 
das  Licht  nach  allen  Richtungen,  so  dass  man  jeden  einzelnen  Punkt 
eines  solchen  Körpers  als  einen  Mittelpunkt  von  Lichtstrahlen  be- 
trachten kann. 

Von  einem  solchen  Punkte  aus  setzen  sich  die  einzelnen  Strahlen 
radienartig,  geradlinig*)  fort,  sind  daher  divergent,  so  lange  ihr 
Gang  nicht  eine  Aenderung  erlitten  hat.  Es  kann  der  Leuchtpunkt 
aber  so  unendlich  weit  entfernt  sein,  dass  die  Divergenz  der  in  Be- 
tracht kommenden  Lichtstrahlen  z.  B.  für  einen  sphärischen  Spiegel, 
eine  Linse,  das  Auge  u.  s.  w.  ausser  Acht  gelassen  werden  muss,  da 
sie  sich  der  Beobachtung  und  Berechnung  entzieht. 

Wenn  z.  B.  von  einem  Fixsterne  Lichtstrahlen  auf  eine  Linse 
fallen,  so  ist  die  Oeffnung  des  Winkels  zweier  gegenüberliegender 
Uandstrahlen  schon  so  unendlich  klein,  dass  sie  gleich  Null  zu  setzen 
ist.  Derartige  Lichtstrahlen,  deren  Neigung  gegen  einander  gleich 
Null  ist,  sind  aber  als  parallel  zu  betrachten;  nicht  parallele  Strahlen 
heissen  nach  der  Seite  hin,  wo  sie  verlängert  sich  schneiden,  conver- 
girend  und  nach  der  entgegengesetzten  divergirend. 

Wenn  also  von  parallelen  Lichtstrahlen  die  Rede  ist,  befindet 
6ich  der  Leuchtpunkt,  von  dem  sie  ausgehen,  oder  von  dem  sie  aus- 
zugehen scheinen,  oder  dem  sie  zustreben,  in  verhältniss massig  unend- 
licher Entfernung  ;  die  convergirenden  haben  ihren  Vereinigungspunkt 
die  divergirenden  beziehungsweise  ihren  Ausgangspunkt  in  endlicher 
Entfernung. 

Von  Strahlen,  die  ein  leuchtender  Punkt  nach  allen  Richtungen 
hin  aussendet,  kommt  nur  ein  dünner  Strahlenkegel  in  das  Auge, 
dessen  Gipfel  im  Leuchtpunkte  liegt,  wenn  der  Raum  zwischen  Auge 
und  diesem  ununterbrochen  mit  einem  homogenen  Mittel  (medium) 
erfüllt  ist.  Den  Ort  des  Lichtpunkts  versetzen  wir  (beiläufig)  in  die 
Richtung  der  Axe  jenes  Lichtkegels. 


•)  Eine  Auflösung  der  Ausbreitung  der  Lichtwellen  in  linear  sich  fort 
setzende  Strahlen  ist  für  die  folgenden  Betrachtungen  um  so  mehr  gestattet,  als  die 
Abweichungen  von  dieser  Regel  in  den  gewöhnlich  vorkommenden  Fällen  ganz  un- 
merklich sind» 


—     22     - 

Durch  ein  dazwischentretendes  Mittel  wird  den  Lichtstrahlen  ein 
anderer  Gang  ihres  Verlaufs  gegeben  und  kommen  für  unsere  Zwecke 
hier  vorzugsweise  die  sphärischen  Linsen  in  Betracht. 

Sphärische  Linsen  sind  durchsichtige  Körper,  deren  Grenzflächen 
Theilen  von  Kugelflächen  angehören,  welche  ihre  Mittelpunkte  in  einer 
Linie  liegend  haben.  (Diese  Centrallinie  heisst  die  Axe.)  Sie  haben 
die  Eigenschaft,  den  durch  sie  hindurchgehenden  Lichtstrahlen  eine 
andere  Richtung  zu  geben,  so  dass  sie  die  Convergenz  oder  Diver- 
genz derselben  vergrössern  oder  verkleinern.  Sie  geben  allen  durch- 
gehenden Strahlen  eine  andere  Richtung  ihres  Verlaufs  mit  Ausnahme 
des  Axenstrahls,  welcher  jener  Strahl  ist,  der  durch  die  Krümmungs- 
mittelpunkte der  Kugelflächen  hindurchgeht,  mithin  in  seiner  Richt- 
ung mit  der  Axe  und  dem  Einfallslose  zusammenfällt*)  und  daher 
nicht  gebrochen  wird. 

Convexlinsen  verkleinern  die  Divergenz  und  erhöhen  die  Con- 
vergenz durch  sie  hindurchgehender  Lichtstrahlen  und  heissen  auch 
Sammel  —   oder  positive  Linsen. 

Lichtstrahlen,  welche  parallel  mit  dem  Axenstrahle  auf  die  Linse 
auffallen,  vereinigen  sich  nach  ihrem  Durchgange  in  einem  auf  der 
Hauptaxc  liegenden  Punkte,  dem  Hauptbrennpunkte.  **) 

Rückt  der  Leuchtpunht  näher  auf  der  Axe,  so  entfernt  sich  der 
Vereinigungspunkt  auf  der  anderen  Seite  der  Linse.  Die  beiden  Punkte 
heissen  conjugirte   Vereinigungspunlcte. 

Bei  jeder  optischen  Vorrichtung  nemlich  stehen  die  Leuchtpunkte 
einerseits  und  ihre  Bildpunkte  andererseits  in  einem  gewissen  con- 
stanten  Verhältnisse,  so  dass  die  gegenseitige  Lage  dieser  beiden  Punkte 
unverändert  bleibt,  wenn  sie  ihre  Rollen  vertauschen,  nemlich  der 
frühere  Bildpunkt  zum  Leuchtpunkte  wird,  denn  dann  befindet  sich 
an  der  Stelle  des  früheren  Leuchtpunktes  der  nunmehrige  Bildpunkt. 
Wenn  also  von  einem  Punkte  a  Strahlen  ausgehen  und  durch  eine 
optische  Vorrichtung  ein  Bild  desselben  im  Punkte  b  entworfen  wird, 
so  wird  umgekehrt  durch  dieselbe  optische  Vorrichtung  ein  Bild  in 
a  erzeugt,  wenn  an  der  Stelle  von  b  ein  Leuchtobjekt  auftritt. 

a  und  b  sind  conjugirte  Brennpunkte  und  das  wichtige  Gesetz 
der  conjugirten  Brennpunkte  ist 


*)  Fällt  nemlich  ein  Lichtstrahl  auf  eine  gekrümmte  Fläche,  so  verhält  sich  die 
Letztere  in  Bezug  auf  Reflexion  und  Refraction  wie  eine  durch  den  Einfallspunkt 
gelegte  Tangentialebene. 

**)  Zum  Unterschiede  von  den  Brennpunkten,  welche  die  Vereinigungspunkte 
von   Lichtstrahlen  sind    die  parallel  mit  einer  Nebenaxe  auffallen,  worüber  später. 


-     23    — 

1)  die  Summe  der  reciproken  Werthe  *)  der  conjugirten  Brenn* 
weiten  ist  gleich  dem  reciproken  Werthe  der  Hauptbrennweite 

und  2)  das  Verhältniss  der  conjugirten  Brennweiten  bleibt  ein 
constantes,  ob  der  Leuchtpunkt  auf  der  einen  oder  der  anderen  Seite 
sich  befindet. 

Nähert  sich  der  Leuchtpunkt  bis  auf  die  Hauptbrennweite,  fällt 
also  der  Diverg enzpunkt  der  Lichtstrahlen  mit  dem  (vorderen)  Haupt- 
brennpunkte der  Linse  zusammen,  so  sind  die  Strahlen  nach  ihrem 
Durchtritte  mit  dem  Axenstrahle  parallel,  sie  streben  einem  in  unend- 
licher Ferne  sich  befindlichen  Vereinigungspunkte  zu. 

Der  Längenabstand  des  Hauptbrennpunktes  vom  Hauptpunkte**) 
der  Linse  giebt  die  Hauptbrennweite  (fa). 

Wenn  der  Leuchtpunkt  so  nahe  an  die  Linse  heranrückt,  dass 
er  zwischen  Hauptbrennpunkt  und  Linse,  also  innerhalb  der  Haupt- 
brennweite liegt,  so  sind  die  Strahlen,  welche  die  Linse  treffen,  so 
stark  divergent,  dass  dieselbe  nicht  mehr  im  Stande  ist,  sie  conver- 
gent  oder  auch  nur  parallel  zu  machen.  Sie  treten  daher  divergent 
aus,  allein  ihre  Divergenz  ist  nunmehr  eine  geringere,  sie  verbreiten 
sich  so,  als  ob  sie  von  einem  Punkte  herkämen,  der  weiter  von  der 
Linse  absteht,  als  der  leuchtende  Punkt,  von  dem  ausgehend  sie  auf 
die  Linse  auffielen. 

Wegen  dieser  für  die  Optometrie  so  wichtigen  Gesetze  seien 
folgende  Beispiele  angeführt: 

Um  Lichtstrahlen,  welche  von  einem  20  Zoll  von  der  Linse  ent- 
fernten Punkte  ausgehen,  oder  die  mit  einer  Divergenz  auffallen,  als 
kämen  sie  von  einem  20  Zoll  entfernten  Punkte  her,  'parallel  zu 
machen,  müsste  die  Convexlinse  eine  Brennweite  von  20  Zoll    haben. 

Wenn  Lichtstrahlen  durch  eine  Linse  von  -f-  8  Zoll  Brennweite 
parallel  werden,  beweist  diess,  dass  sie  mit  einer  Divergenz  auf  die- 
selbe aufgefallen  sind,  als  wären  sie  von  einem  8  Zoll  von  ihr  ent- 
fernten Punkte  ausgegangen. 

Concavlinsen  vermindern  die  Convergenz  und  erhöhen  die  Diver- 
genz, heissen  auch  Zerstreuungs-  oder  negative  Linsen. 

Lichtstrahlen,  welche  parallel  mit  der  Hauptaxe  auf  die  negative 
Linse  fallen,  divergiren  nach  ihrem  Durchtritten  so,  als  kämen  sie 
nicht  mehr  von  dem  unendlich    entfernten  Ausgangspunkte,    sondern 


*)  Siehe  später. 

**)  Ueber  Hauptpunkte  siehe  später. 


—     24     — 

von   einem    näher    gelegenen,    imaginären,    dem  Hauptzerstreuungs- 
oder  negativen  Hauptbrennpunkte. 

Durch  den  Abstand  dieses  Punktes  vom  Hauptpunkte  der  Linse 
ist  die  Länge  der  Hauptzerstreuungs-  oder  negativen  Hauptbrennweite 
( —  f')  bestimmt. 

Treffen  convergente  Lichtstrahlen  eine  Concavlinse  in  solcher 
Richtung,  dass  ihr  Convergenzpunkt  mit  dem  Hauptzerstreuungspunkte 
zusammenfallen  würde,  so  werden  die  Lichtstrahlen  gerade  so  weit 
zerstreut,  dass  sie  parallel  werden;  d.  h.  Lichtstrahlen,  welche  con- 
vergent  sind  —  sich  also  nach  längerem  oder  kürzerem  Verlaufe  in 
ihrem  Convergenzpunkte,  der  in  endlicher  Ferne  liegt,  vereinigen 
würden  —  werden  in  ihrem  Gange  durch  eine  Linse  geändert  und 
wenn  z.  B.  8  Zoll  vom  Convergenzpunkte  entfernt  diese  Lichtstrah- 
len eine  Linse  von  —  8  Zoll  Brennweite  passirten,  würden  sie  nach 
ihrem  Durchtritte  so  wenig  convergent  mehr  sein,  dass  sie  nach  einem 
in  unendlicher  Ferne  liegenden  Punkt  gerichtet  wären,  sie  würden 
parallel  sein.  Wenn  daher  Lichtstrahlen  durch  eine  Concavlinse 
z.  B.  von  —  8"  parallel  gemacht  werden,  beweist  diess,  dass  sie  mit 
einer  Convergenz  nach  einem  8  Zoll  von  der  Linse  entfernten  Punkte 
auf  dieselbe  aufgefallen  sind. 

Um  ein  Mass  für  die  lichtbrechende  Wirkung  —  dioptrische 
Kraft  —  der  verschiedenartigen  Linsen  zu  haben,  wird  eine  Linse 
von  +  Ein  Zoll  Hauptbrennweite  als  Normallinse,  zur  Vergleichung 
mit  anderen  Linsen  von  mehr  oder  weniger  Hauptbrennweite  allge- 
mein angenommen.  Daher  ist  z.  B.  eine  Linse  von  8  Zoll  Brenn- 
weite in  ihrer  dioptrischen  Kraft  gleich  y8,  sie  hat  7s  so  viel  licht- 
brechende Wirkung,  als  die  Normallinse  von  1  Zoll.  Eine  Linse  von 
—  20"  ist  verglichen  mit  der  Normallinse  gleich  —  720  5  sie  hat  i/20 
soviel  lichtzerstreuende  Wirkung,  als  eine  Linse  von  —  1  Zoll  Brenn- 
weite. Mit  anderen  Worten:  Die  dioptrische  Kraft  einer  Linse  ist 
ihrer  Hauptbrennweite  (+  f)  umgekehrt  proportional  (+  i/f)  die 
Brechkraft  ist  der  reeiproke   Werth  der  Ilaupibrennweite. 

Um  daher  die  Brechkraft  einer  Combination  mehrerer  Linsen 
kennen  zu  lernen,  hat  man  nur  den  reeiproken  Werth  der  Haupt- 
brennweiten zu  summiren,  wenn  die  Distanz  der  Linsen  so  gering  ist, 
dass  sie  nicht  in  Betracht  zu  kommen  hat,  z.  B.  eine  Linse  von  -f- 
12"  combinirt  mit  einer  solchen  von  -\-  6",  kommt  einer  Linse  von 
-f-  4U  Brennweite  gleich,  denn  die  reeiproken  Werthe  geben  i/12  + 
76=74«  Die  Combination  einer  Linse  von  —  2"  mit  einer  solchen 
von  -f-  6"  wäre  gleich  einer  negativen  Linse  von  —  3"  denn 
-  Va+V«  =  -  Vs  d^er  ift+i/f=yx 


—    25     - 

Wenn  aber  der  Abstand  nicht  vernachlässigt  werden  kann ,  be- 
rechnet sich  die  Wirkung  der  Combination    nach    der  Formel     V*i  + 

V(f~n)=yx 

wenn  f;  die  Brennweite  der  ersten  Linse    (im  Sinne    der  P'ortbeweg- 
ung  des  Lichts), 

f  die  Brennweite  der  zweiten  Linse, 

n  die  Entfernung  von  der  ersten  Linse, 

x  die  Brennweite  der  Combination  bezeichnet. 

Jede  optische  Vorrichtung,  Spiegel,  Linse  u.  dgl.  giebt  von  einem 
Leuchtobjekte  ein  Bild. 

Werden  nemlich  von  einem  Leuchtpunkte  auf  eine  brechende 
oder  rerlektirende  Fläche  Strahlen  gesendet,  so  empfängt  ein  hinter 
dem  Brennpunkte  sich  befindliches  Auge,  wenn  keine  Abweichung 
stattfindet,  einen  Strahlenkegel,  dessen  Gipfel  in  dem  wahren  oder 
scheinbaren  Brennpunkte  liegt. 

Man  erblickt  daher  ein  Bild  des  Leuchtpunktes.  Kommt  das  Licht 
nicht  von  einem  einzigen  Punkte,  sondern  von  einem  leuchtenden 
oder  erleuchteten  Gegenstande,  so  erblickt  man  ein  Bild  jeden  Punk- 
tes desselben  und  mithin  ein  Bild  des  ganzen  Gegenstandes. 

1}  Wird  durch  eine  optische  Vorrichtung  die  Richtung  der  von 
einem  Leuchtpunkte  ausgehenden  Strahlen  so  geändert  und  so  diver- 
gent gemacht,  dass  ihre  I Verlängerungen  in  einem  Punkte  zusammen- 
treffen, so  verhält  sich  der  durch  diese  Verlängerungen  erzeugte 
Conus  wie  ein  Strahlenkegel,  welcher  von  einem  Lichtpunkte  aus- 
gehend, direkt  das  Auge  trifft  und  wir  sehen  in  seiner  Axe,  in  sei- 
nem Scheitelpunkte,  ein  Bild  desjenigen  Punktes,  von  welchem  ur- 
sprünglich das  Licht  ausging.  Der  Punkt,  in  welchem  sich  die  Ver- 
längerungen der  Strahlen  schneiden,  heisst  virtueller  Brennpunkt  (virt. 
Divergenzpunkt). 

Das  Bild  heisst  ein  virtuelles  und  zwar  ein  katoptrisches  oder 
dioptrisches,  je  nachdem  es  durch  Reflexion  oder  Refraction  hervor- 
gebracht ist. 

Bei  einem  virtuellen  Bilde  vereinigen  sich  also  die  von  einem 
Leuchtpunkte  ausgehenden  Lichtstrahlen  nicht  wirklich,  aber  ihre  ur- 
sprüngliche Richtung  wurde  durch  die  optische  Vorrichtung  so  ge- 
ändert, dass  sie  von  einer  imaginären  Lichtquelle  herzukommen  schei- 
nen, deren  Ort  da  liegt,  wo  die  rückwärts  gezogenen  Verlängerungen 
der  Lichtstrahlen  sich  schneiden. 

2)  Convergiren  dagegen  die  von  einem  Punkte  ausgehenden 
Lichtstrahlen  nach  der  Reflexion  oder  Refraction  gegen  einen  einzigen 
Punkt  hin,  so  divergiren  sie  wierderum  nach  ihrem  Durchgange  durch 


—     26     — 

diesen  Durchschnittspunkt  und  der  von  da  ab  sich  ausbreitende  Strah- 
lenkegel verhält  sich  wie  ein  von  einem  Leuchtpunkte  direkt  aus- 
gehender. Trifft  derselbe  das  Auge,  so  sehen  wir  in  jenem  Durch- 
schnittspunkte ein  Bild  des  Lichtpunktes. 

Der  auf  diese  Weise  erzeugte  Durchschnittspunkt  heisst  reeller 
Brennpunkt  (reeller  Divergenzpunkt)  und  das  auf  solche  Weise  zu 
Stande  gekommene  Bild  ist  ein  reelles,  nemlich  ein  durch  faktische 
Wiedervereinigung  von  einem  Leuchtpunkte  ausjehender  Strahlen 
erzeugtes,  leuchtendes  Bild. 

Die  von  den  Linsen  durch  Refraction  erzeugten  Bilder  befinden 
sich  entweder  auf  der  entgegengesetzen  Seite  des  positiven  Leucht- 
punktes in  positiver  Entfernung,  oder  auf  derselben  Seite  der 
Linse  als  eine  imaginäre  Lichtquelle  —  ähnlich  einem  positiven  Leucht- 
punkte, in  negativer  Entfernung. 

Die  virtuellen  Bilder  stehen  in  Bezug  auf  das  Leuchtobject  auf- 
recht, die  reellen  dagegen  umgekehrt  und  unterscheiden  sich  letztere 
auch  noch  dadurch,  dass  sie  mit  einem  Schirme  aufgefangen  werden 
können. 

Ebenso  wie  ein  leuchtender  Punkt  verhalten  sich  auch  die  Punkte 
eines  leuchtenden  und  die  Punkte  eines  erleuchteten  Körpers,  dessen 
Oberfläche  nicht  vollkommen  glatt  ist.  Fällt  nemlich  ein  Lichtstrahl 
auf  eine  unebene  Fläche,  so  verhält  sich  die  letztere  in  Bezug  auf 
Reflexion  und  Refraction  wie  eine  durch  den  Einfallspunkt  gelegte 
Tangentialebene. 

Die  Richtung  des  Einfallsloses  ist  daher  fast  in  jedem  Punkte 
eines  nicht  vollkommen  glatten  Körpers  eine  andere,  und  wird  inner- 
halb eines  sehr  kleinen  Raumes  selbst  parallel  auffallendes  Licht  nach 
allen  möglichen  Richtungen  reflectirt.  Von  dem  Lichte,  welches  von 
jeder  wahrnehmbaren  Stelle  divergent  ausfährt,  muss  ein  Strahlen- 
kegel in  das  darauf  gerichtete  Auge  kommen;  die  Punkte  rauher 
Oberflachen  sind  desswegen  wie  leuchtende  Punkte  sichtbar,  und  geben 
unter  denselben  Bedingungen  Bildern  ihre  Entstehung,  unter  wel- 
chen Lichtpunkte  solche  liefern. 

Es  liegen  daher  die  Leuchtpunkte  eines  Gegenstandes  —  wenn 
man  von  der  sphärischen  Aberration  absieht  oder  nur  unter  sehr  klei- 
nen Winkeln  auffallende  Lichtstrahlen  berücksichtigt  —  auch  im 
Bildein  einer  zurAxe  senkrechten,  wenn  sie  im  Gegenstande  in  einer 
zur  Axe  senkrechten  Linie  liegen. 

Unter  sphärischer  Aberration  versteht  man  die  Abweichung  von 
der  punktuellen  Vereinigung  und  zwar  giebt  die  Differenz  der  Brenn- 
weite der  Centralstrahlen  und   der  Brennweite    der    äussersten  Rand- 


-     27     — 

strahlen  die  sphärische  Längenabweichung ;  während  die  Entfernung 
des  Brennpunktes  der  Centralstrahlcn  von  demjenigen  Punkte ,  in 
welchem  die  auf  der  Axe  in  dem  genannten  Punkte  errichtete  Senk- 
rechte die  äussersten  Randstrahlen  trifft,  die  sphärische  Seitenabweich- 
ung anzeigt. 

Die  optischen  Erscheinungen,  welche  sowohl  durch  eine  einzige 
Linse  als  durch  ein  System  von  mehreren  brechenden  Körpern  her- 
vorgebracht werden,  hängen  ab : 

1)  vom  Brechungsverhältnisse, 

2)  von  der  Lage  und 

3)  von  den  Halbmessern  der  brechenden  Flächen. 

Eine  optische  Vorrichtung  mit  mehr  als  Einer  brechenden  Fläche 
ist  centrirtj  wenn  sie  eine  Hauptaxe  hat,  d.  h.  wenn  die  Krümmungs- 
raittelpunkte  aller  brechenden  Flächen  in  einer  geraden  Linie    liegen. 

Ein  jedes  solches  Zusammengesetzes  System  hat  drei  Paare  von 
Punkten,  die  in  gewissen  unveränderlichen  Beziehungen  zu  einander 
stehen,  die  sogenannten  optischen  Cardinalpunkte  *).  Die  Kenntniss 
ihrer  gegenseitigen  Lage  genügt  zur  Berechnung  seiner  lichtbrechen- 
den Wirkung  d.  h.  der  Lage  und  Grösse  der  durch  dasselbe  erzeug- 
ten Bilder. 

Diese  Cardinalpunkte  liegen  auf  der  Hauptaxe  und  können  durch 
Berechnung  und  durch  Construction,  welche  nach  allgemeinen  Ge- 
setzen der  Refraction  vorzunehmen  ist,  gefunden  werden. 

Um  die  dioptrischen  Wirkungen  eines  Systems  berechnen  zu 
können,  muss  es  1)  centrirt  sein,  2)  müssen  nur  Lichtstrahlen,  welche 
mit  der  Hauptaxe  sehr  kleine  Winkel  machen,  in  Betracht  kommen 
3)  müssen  die  Brechungsindexe  der  Medien,  4)  die  Krümmungsmit- 
telpunkte und  Radien  der   brechenden  Flächen  bekannt  sein. 

Die  Seite,  auf  welcher  der  Leuchtpunkt  oder  das  Leuchtobjekt 
liegt,  die  Seite  also,  von  welcher  das  Licht  kommt,  wird  als  vordere 
oder  erste  bezeichnet,  im  Gegensatze  zur  hinteren  oder  zweiten  Seite. 

Die  Paare  der  Cardinalpunkte  sind 

1)  die  Hauptbrennpunkte, 

2)  die  Knotenpunkte, 

3)  die  Hauptpunkte. 

Der  vordere  Hauptbrennpunkt  ist  jener  auf  der  Haupt- 
axe liegende  Punkt,  von  dem  die  Lichtstrahlen  ausgehen  müssen,  um 


*)  Näheres  im  Handbuche  der  physiologischen  Optik  von  Helmholtz.  Leipzig,  186' 


—     28     - 

nach  ihrer  letzten  Berechnung  durch  das  optische  Svstem  mit  der 
Hauptaxe  parallel  zu  sein. 

Der  hintere  Hauptbrennpunkt  ist  der  Vereinigungspunkt 
parallel  mit  der  Hauptaxe  auf  das  System    auffallender  Lichtstrahlen. 

Allen  einfallenden  Lichtstrahlen,  die  durch  den  vorderen  Haupt- 
brennpunkt gehen,  entsprechen  also  austretende,  die  mit  der  Axe 
parallel  sind;  einfallenden  hingegen,  die  mit  der  Axe  parallel  sind, 
entsprechen  ausfahrende,  die  im  hinteren  Hauptbrennpunkte  sich  kreuzen. 

Da  durch  eine  optische  Vorrichtung  mit  mehr  als  Einer  brechen- 
den Fläche  und  mehr  als  Einem  Krümmungsmittelpunkte  *)  alle  durch- 
gehenden Lichtstrahlen  mit  Ausnahme  des  Axenstrahls  eine  Aender- 
ung  ihres  Verlaufs  erleiden,  so  haben  solche  Systeme  keine  Neben- 
Axen  im  mathematischen  Sinne. 

L'nter  Nebenaxe  versteht  man  eine  Gerade  ,  welche  von  einem 
nicht  auf  der  Hauptaxe  liegenden  Leuchtpunkte  durch  den  Krümm- 
ungsmittelpunkt hindurchgeht  und  werden  alle  Lichtstrahlen,  die  mit 
einer  solchen  Nebenaxe  zusammenfallen,  nicht  gebrochen ,  da  ihre 
Richtung  auch  mit  dem  Einfallslothe  zusammenfällt. 

Diess  ist  bei  allen  einfachen  optischen  Vorrichtungen  der  Fall. 
Anders  verhält  es  sich  bei  den  zusammengesetzten  Systemen.  Bei 
diesen  muss  ein  Lichtstrahl  von  einem  nicht  auf  der  Hauptaxe  liegen- 
den Leuehtpunkte  ausgehend,  vor  der  ersten  Brechung  auf  den 
vorderen  Knotenpunkt  gerichtet  sein,  wenn  er  durch  den  (idealen) 
optischen  Mittelpunkt  gelangen  soll  und  wird  nach  der  letzten  Brech- 
ung von  dem  hinteren  Knotenpunkte  herzukommen  scheinen.  Der 
eintretende  und  der  austretende  Strahl  sind  dann  zu  einander  parallel, 
die  beiden  Knotenpunkte  aber  sind  die  Bilder  des  optischen  Mittel- 
punkts, d.  h.  wenn  ein  Leuchtpunkt  im  optischen  Centrum  sich  be- 
finden würde,  würde  ein  Auge  in  der  Richtung  des  einfallenden 
Strahls  das  Bild  des  Leuchtpunktes  im  vorderen  oder  in  der  Richtung 
des  ausfallenden  Strahls  nach  rückwärts  sein  Bild  im  hinteren  Kno- 
tenpunkte wahrnehmen. 

Zur  Auffindung  der  Knotenpunkte  sind  daher  zwei  Punkte  zu 
bestimmen,  welche  zu  einander  in  dem  Verhältnisse  stehen,  dass  jeder 
Strahl,  welcher  vor  der  ersten  Brechung  auf  den  vorderen  Punkt  ge- 


*)  Desswegen  werden  auch  bei  einer  convex — coneaven  Linse,  deren  Krümm- 
ungsoberflächen Einen  gemeinsamen  Mittelpunkt  haben,  alle  in  der  Richtung  einer 
Nebenaxe  einfallenden  Lichtstrahlen  nicht  gebrochen  und  hat  eine  solche  Linse  ei- 
nen optischen  Mittelpunkt,  durch  welchen  alle  nach  ihm  gerichteten  Strahlen  un- 
gebrochen durchgehen,  d.  h.  Einen   Knotenpunkt. 


-    29     - 

richtet  war,  nach  der  letzten  Brechung  parallel  mit  seiner  ursprüng- 
lichen Richtung  so  weiter  geht,  als  käme  er  von  dem  hinteren  Punkte 
her.  Punkte,  die  diesen  Bedingungen  entsprechen,  heissen  die  Kno- 
tenpunkte und  es  giebt  in  jedem  optischen  Systeme  nur  ein  einziges 
Paar  solcher  Punkte. 

Die  durch  die  Knotenpunkte  senkrecht  gegen  die  optische  Axe 
gelegten  Ebenen  heissen  Knotenebenen. 

Da  die  im  ersten  Knotenpunkte  sich  schneidenden  Lichtstrahlen 
nach  der  letzten  Brechung  auch  im  zweiten  sich  schneiden,  so  ist  der 
zweite  das  Bild  des  ersten. 

Die  zu  ihnen  gehörigen  Brennweiten  verhalten  sich  umgekehrt 
wie  die  Brechungsverhältnisse  des  ersten  und  letzten  Mediums  und 
so  verhalten  sich  auch  die  Liniendimensionen  ihrer  Bilder. 

Lichtstrahlen,  deren  Richtung  mit  einer  Nebenaxe  zusammenfällt 
oder  in  zusammengesetzten  Systemen  die  durch  die  Knotenpunkte 
gehenden  Strahlen  heissen  Hauptstrahlen. 

Bei  einer  optischen  Vorrichtung  mit  einer  einzigen  brechenden 
Fläche  liegt  in  der  Oberfläche  derselben  der  Hauptpunkt  als  ein 
Punkt,  auf  den  ein  vor  der  Brechung  gerichteter  Lichtstrahl  auch  nach 
der  Brechung  gerichtet  ist.  Handelt  es  sich  aber  um  ein  zusammen- 
gesetztes System,  in  welchem  also  ein  durchtretender  Lichtstrahl  mehr 
als  einer  Brechung  unterworfen  ist,  so  hat  er  nach  der  letzten  Brech- 
ung eine  Richtung  nach  einem  anderen  Punkte  als  dem,  wo  er  seine 
erste  Brechung  erlitt.  Es  hat  aber  jedes  optische  System  zwei  und 
nur  2  zusammengehörige  Vereinigungspunkte  der  Lichtstrahlen, 
in  denen  die  Grösse  eines  auf  der  Axe  senkrechten  ebenen  Bildes  der 
des  angehörigen  Gegenstandes  gleich  wird.  Die  Ebene  eines  sol- 
chen Objekts  ist  die  erste  und  die  des  zugehörigen  Bildes  die  zweite 
Hauptebene  des  Systems,  die  beiden  Punkte  aber,  wo  sie  die  optisch. 
Axe  schneiden,  sind  beziehungsweise  der  erste  und  zweite  Hauptpunkt. 

Es  können  also  zwei  zur  Axe  senkrechte  Ebenen  gefunden  wer- 
den, die  in  einem  constanten  Verhältnisse  zu  einander  stehen,  so  dass 
jeder  Strahl  nach  der  letzten  Brechung  von  einem  Punkte  der 
hinteren  Ebene  herzukommen  scheint  ,  welcher  einem  Punkte  der 
vorderen  Ebene  entspricht,  auf  den  der  einfallende  Strahl  vor  seiner 
Brechung  gerichtet  war,  so  dass  diese  beiden  Punkte  gleich  weit  von 
der  Hauptaxe  entfernt  sind.  Es  müssen  desshalb  durch  Construction 
oder  Berechnung  zwei  Ebenen  ermittelt  werden,  die  gleiche  Grösse 
haben  und  auf  derselben  Seite  der  Axe  liegen;    oder    es    ist    zu   be- 


-    30    — 

stimmen,  in  welcher  Lage  ein  Objekt  sich  befinden  muss,  um  auf 
beiden  Seiten  gleich  grosse  und  gleichgerichtete  Bilder  zu  entwerfen, 
die  also  auch  Bilder  von  einander  sind  und  die  Hauptebenen  reprä- 
sentiren. 

Der  Abstand  des  vorderen  Hauptbrennpunktes  vom  vorderen 
Hauptpunkte  giebt  die  Länge  der  vorderen  Haup  tbr  en  n  wei  t  e 
und  ein  gleiches  Verbältniss  gielt  für  die  hinlereHauptbrenn- 
weite.  Sie  wird  positiv  gerechnet,  wenn  der  erste  Hauptpunkt  im 
Sinne  der  Fortbewegung  des  Lichts  hinter  dem  ersten  Hauptbrenn- 
punkte liegt. 

Statt  Hauptbrennweite  wird  gewöhnlich  kurzweg  die  Bezeich- 
nung Brennweite  gebraucht.  Strenge  genommen  ist  die  Brennweite 
durch  die  Lage  der  Brennpunkte  bestimmt,  welche  durch  Vereinig- 
ung parallel  mit  den  Nebenaxen  beziehungsweise  mit  den  von  den 
Knotenpunkten  ausgehenden  Geraden  auf  die  optische  Vorrichtung 
gefallen  sind.  Legt  man  senkrecht  zur  Axe  Ebenen  durch  die  Haupt- 
brennpunkte, so  erhält  man  die  Brennebenen.  Lichtstrahlen ,  welche 
von  einem  Punkte  der  ersten  Brennebene  ausgegangen  sind,  sind  nach 
der  Brechung  unter  einander  parallel  und  da  der  vom  leuchtenden 
Punkte  nach  dem  ersten  Knotenpunkte  gerichtete  Strahl  nach  der 
Brechung  seiner  ursprünglichen  Richtung  parallel  ist,  so  müssen  alle 
Strahlen,  die  von  einem  leuchtenden  Punkte  in  der  ersten  Brennebene 
ausgegangen  sind,  nach  der  Brechung  mit  den  vom  hinteren  Knoten- 
punkte kommenden  Sfrahlen  parallel  sein. 

Unter  den  constanten  Beziehungen  der  Cardinalpunkte  sind  die 
bemerkenswerthesten : 

1)  die    Entfernung    des    vorderen    Knotenpunktes    vom    vorderen 
Hauptbrennpunkte  ist  gleich  der  hinteren  Hauptbrennweite, 

2)  die  Entfernung  des  hinteren  Knotenpunktes  vom  hinteren  Haupt- 
brennpunkte ist  gleich  der  vorderen  Hauptbrennweite, 

3)  der  Abstand  der  beiden  Hauptpunkte  ist  gleich  dem  Abstand 
der  beiden  Knotenpunkte, 

4)  die  beiden  Hauptbrennweiten  sind  den  Brechungsexponenten 
des  vorderen    und    hinteren  Mediums    proportional. 

Bei  einer  Linse,  die  vorne  und  hinten  von  demselben  Medium 
umgeben  ist,  fallen  demnach  die  Haupt-  und  Knotenpunkte  zusammen. 

Die  Kenntniss  der  Lage  der  Knotenpunkte ,  welche  in  Relation 
zu  den  Nebenaxen  stehen,  ist  noth  wendig  zur  Berechnung  der  Grösse 
der  Bilder  eines  Objekts. 


-    31    - 

Die  Kcnntniss  der  Lage  der  Hauptpunkte,  welche  in  Beziehung 
zur  Hauptbrennweite  und  zu  den  conjugirten  Brennweiten  stehen,  ist 
noth wendig  zur  Bestimmung  der  Lage  der  Bilder. 

Die  Berücksichtigung  der  Lage  der  Cardinalpunkte  ist  nicht  zu 
vernachlässigen,  wenn  es  sich  um  mathematische  Genauigkeit  handelt. 
Wenn  aber  diess  nicht  der  Fall  ist,  kann  man  bei  Berechnung  der 
Grössenverhaltnisse,  z.  B.  bei  Linsenbildern,  nur  einen  einzigen  Kno- 
tenpunkt in  Betracht  nehmen,  nemlich  den  der  kürzeren  Brennweite 
entsprechenden. 

Die  Grösse  der  Bilder  berechnet  sich  nach  der  Formel 
B  :  b  =  Bki  :  bk2 
wenn  B  die  Grösse  des  Objekts, 
b  die  des  Bildes, 

Bk1  die  Entfernung  des  Objekts  vom  vorderen  Knotenpunkte, 
bk2  die  Entfernung   des  Bildes  vom    hinteren    Knotenpunkte 
bezeichnet. 
Die  Lage  der  Bilder  berechnet  sich  nach  der  Formel 

l/f  =  »/a  +   Vb 
wenn  f    die  Hauptbrennweite, 

a  die  Entfernung  des  Leuchtobjekts  vor  der  Linse, 
b  die  Entfernung  des  Bildes  bezeichnet. 


Erklärung  der  Abbildungen. 


Tafel  1.     Durchschnitt  des  Ophthalmophantonu  in  halber  natürlicher  Grösse. 
Tafel  2.     Einzelne  Theile  des  Apparats  : 

Nru.    1.     Durchschnitt    des   inneren    verschiebbaren    Cylinders     mit    Bild- 
kästchen und 

2.  Vordere  Ansicht  desselben. 

3.  Durchschnitt  des  Bildkästchen  und 

4.  Hintere  Ansicht  desselben. 

5.  Aeusserer  Cylinder,  welcher  von  dem  Statife  getragen  wird. 

6.  Durchschnitt  und 

7.  Ansicht  der  Vorrichtung    zum  Fixiren    der    eingelegten  Linsen- 
gläser. 

8.  Ansicht  und 

9.  Durchschnitt  des  vorderen  Verschlusses  am  äusseren  Cylinder. 

Anmerkung.  Die  Jäger'schen  ophthalmoscopischen  Tafeln  werden  nach  der 
Grösse  des  Bildkästchens  geschnitten.  Um  die  Bilder,  ohne  dass  sie  Schaden 
leiden,  aufbewahren  zu  können,  bedeckt  man  ihre  Bildseite  zum  Schutze  gegen 
Reibung  mit  einem  entsprechend  grossen  feinen  Papier,  welches  an  der  Rückseite 
des  Bildes  mit  Kleister  angeklebt  ist.  Auf  dieses  Papier  qualificirt  man  durch 
Nummer  und  Aufschrift  das  betreffende  Bild.  Beim  Gebrauche  wird  das  Schutz- 
papier auf  die  Rückseite  des  Bildes  zurückgelegt. 

Wer  den  Atlas  in  der  bezeichneten  Art  nicht  theilen  will,  stellt  den  Apparat 
mit  geöffnetem  hinteren  Verschluss  an  den  durch  irgend  eine  leicht  zu  beschaf- 
fende Vorrichtung  aufgestellten  Atlas  resp.  des  betreffende  Bild  desselben  so  an, 
dass  Letzteres  in  das  Lumen  des  Apparats  zu  stehen  kommt  und  seitwärts  kein 
Licht  einfallen  kann. 


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\In/litf»inik:s»im     lilinilr     des  Hotei-Dieu   in  Paris  von  Prof.  Dr.  Troasseau. 

iUeillUIllMlie     lYlIllllV     Xach    der  II.  Auflage   übersetzt   von  Culmann 

und  Niemeyer.     3  Bände  in  Lex.-8.     18G5— 68.     Preis  Tbl  fl.   14. 

iVIir»i»nc/*nn    T  nictunrmn     zum   Zweck    dcr   ärztlichen    Diagnostik    von 
JllLlUöLU[J-lJt:iMUIlgCII     Dr.    Düben.     Aus   dem  Schwedischen  von  Dr. 
TÜTSCHEK.     Mit  4  Tafeln.     1858.     24  sgr.  oder  fl.  1.  24  kr. 

IW t\r all c*»tif>    I-fpilL-imJp    bei  der  Behand,ung   der  nervösen  Krank« 

IflUldllMllC     OtrilKUllUL,     heiten     von     Dr.     Padiolean.      Preisgekrönt. 
Deutsch  bearb.  von  Dr.  Eiscnniann.   1SG5.  12  Bog.  gr.  8°.  Preis  1  Thlr.  oder  fl.  1.48  kr. 

'T,riCpl1^fllrtjl/^nrlriii     für  Acrzte  und  Chirurgen  herausgegeben  von  Dr.  Schmitt 
1  d^LIlLIIlldltrllUel       früher  Agalz).     18.  Jahrgang.   1870.     In    Leinen   geb. 
21   sgr.  oder  fl.  1.  12  kr.    Mit  Papier  durchschossen  1  Thlr.  oder  fl.  1.  42  kr. 


Druck  der  Stahel'schen  Buchdruckerei.